Gemeinsame Frühjahrstagung

der Bayerischen und der Baden-Württembergischen Esperanto-Ligen (BELO und BAVELO)

„Esperanto – Chancen – Nutzen“ in Aalen, 7. bis 9. Mai 2010

 

 

Bericht der Arbeitsgruppe

Esperanto - Kultusministerium

Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen auf Esperanto bezogen

 

Leitung Stefanie und Gerald Tucker (Deutsches Esperanto-Institut, Augsburg)

  

Der Fremdsprachenunterricht in Europa richtet sich immer mehr nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen, einer Übereinkunft, die darauf abzielt, die Selbsteinschätzung der Lernenden von Fremdsprachen, die Gestaltung des Fremdsprachenunterrichts und die Prüfungsanforderungen für Fremdsprachenprüfungen auf eine einheitliche Grundlage zu stellen.

 

Seit etwa einem Jahrzehnt sind Bestrebungen im Gange, auch für Esperanto diesen Rahmen anzuwenden. Der Verband deutscher Esperanto-Lehrer hat zusammen mit der Internacia Ligo de Esperanto-Instruistoj (ILEI) die Aufgabe angenommen, die Anpassung an die mittlere und höhere Stufen (B und C) des Referenzrahmens umzusetzen. Hierbei steht der einsprachige Unterricht im Vordergrund.

 

Die erste Stufe (A) des Referenzrahmens ist aus nahe liegenden Gründen der nationalen Ebene zugeordnet, denn nur hier können die besonderen Probleme berücksichtigt werden, die im Anfangsunterricht auf Grund der Neuartigkeit der zu erlernenden Fremdsprache und derer Unterschiede gegenüber der Nationalsprache auftreten. Dennoch kann in Situationen, in denen eine Übersetzung oder eine Dolmetschertätigkeit nötig ist, die Nationalsprache auch auf der B- und C-Stufe eine Rolle spielen.

 

Diese beiden Bereiche – Spracherwerb und zweisprachige Situation – hat neben dem Verband deutscher Esperanto-Lehrer und dem Deutschen Esperanto-Zentrum in Herzberg das Deutsche Esperanto-Institut übernommen. Unter Anderem passt es jetzt schon seine Prüfungsordnung auf dem A-Niveau dem Referenzrahmen an. Außerdem sammelt und erarbeitet es Material für den Unterricht und die Prüfungen.

 

In Herzberg haben wir bereits in gedrängter Form unseren ersten Entwurf eines Konzepts vorgestellt und arbeiten weiter an dem Ausbau des Materials und der Übersetzung ins Deutsche.

 

Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen zielt nicht auf kulturelle Besonderheiten, grammatikalische Nuancen oder hochtrabende literarische Leistungen ab, sondern auf den instrumentalen Charakter der jeweiligen Sprache. So geht es nicht um theoretisches Sprachwissen, sondern um kommunikative Fähigkeiten und Fertigkeiten.

 

Für die Stufe A werden hier diese anzustrebenden Fähigkeiten und Fertigkeiten aufgezählt und in drei Schritte eingeteilt:

 

1.         Selbsteinschätzung (Selbst-Evaluation)

2.         Lernen (autodidaktisch oder im Kurs)

3.         Gegenkontrolle (z. B. Prüfung)

 

Es ist leicht zu erkennen, dass die Stufe A nur die grundlegendsten Fähigkeiten erfasst. Wer die Stufe A 2 erreicht hat, ist auf dem Weg zur Selbstständigkeit, die in der Stufe B 1 erreicht wird.  In dieser Stufe B 1 ist der Lernende annähernd in der Lage, sich mit einigem Aufwand (etwa Fachliteratur, persönliche Kontakte) ohne viel fremde Hilfe weiter zu bilden.

 

Wer selbst Esperanto unterrichten möchte, sollte mindestens die Stufe B 2, besser C 1 erreicht haben. Die Stufe C 2 ist für Ausbilder von Kursleitern wünschenswert, dürfte aber selten erreicht werden.

 

Unsere Bestrebungen gehen dahin, unser Material, unsere Kurse und unsere Prüfungen so zu gestalten, dass sie von den Unterrichtsbehörden (in Bayern, z. B., ISB = Institut für Schul- und Bildungsforschung) ernst genommen werden. Dasselbe Ziel müssen wir mit der Aufklärung unserer Kursleiter und Prüfungsbeauftragten zu erreichen versuchen.

 

 

In der Einzelveranstaltung erfolgte eine Selbstvorstellung der Workshop-Leiter aus Augsburg und der neun Teilnehmer aus Forchheim, Kaufbeuren, Heilbronn, Aalen, Oberkirch, Stuttgart, VS-Villingen und Ludwigsburg (4 Frauen und 5 Männer). Zwei Teilnehmer haben die internationale Prüfung auf der Stufe C1 des Referenzrahmens abgelegt, einer war schon in San Marino (AIS) tätig. Mehrere befinden sich auf der Stufe A2 oder B1 bis B2.

 

Stefanie Tucker, Konrektorin im Ruhestand und ehemalige stellvertretende Seminarleiterin, berichtete über den Meinungs- und Informationsaustausch des Vorstands der BELO (Dr. Krause, S. Tucker) zusammen mit dem ehem. BELO-Vorsitzenden  A. Grötzner (Organisator des Treffens), G. Tucker (Bevollmächtigter des Direktors des Deutschen E-Instituts Prof. Dr. Haase) und Fritz Hilpert (BELO-Beauftragter für politische Kontakte) beim Bayerischen Kultusstaatssekretär Dr. Marcel Huber und dem Leiter der für Sprachen zuständigen Gymnasialabteilung dem Ministerialdirigenten Dr. Walter Gremm. Im einstündigen Gespräch wurde vereinbart, ein „Gelenk“ zwischen BELO und dem Ministerium einzurichten. Somit ist der 1. Vorsitzende der BELO der einzige unmittelbare Gesprächspartner in Sachen Esperanto für das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus. BELO bildete eine Arbeitsgruppe für die Vorbereitung künftiger Kontakte unter der Leitung von G. Tucker.

 

Sie informierte drüber, welche Arbeiten zur Anpassung des Esperanto-Unterrichts an den Referenzrahmen geleistet werden, wobei sie die Handbücher zum Referenzrahmen in deutscher und englischer Sprache sowie in Esperanto vorzeigte. Auch der Entwurf des Gehefts „Esperanto instruado kaj ekzamenado laŭ KER Niveloj A1 / A2“ wurde herumgereicht, die für die Vorlage bei Kultusministerien vom Ehepaar Tucker erarbeitet werden. Gerald Tucker erläuterte die Rolle des Deutschen Esperanto-Instituts als zuständige Instanz für die Stufe A auf nationaler Ebene.

 

Aufgrund der Knappheit der Zeit begrenzten die Workshop-Leiter das Thema auf den Bereich 1, „Selbsteinschätzung“. Es wurde ein Selbsteinschätzungsfragebogen in deutscher Sprache für die Stufe A2 des Referenzrahmens ausgeteilt, der für die erfahrenen und potenziellen Kursleiter als Hilfsmittel für die Unterrichtsvorbereitung und für Anfänger als Orientierungshilfe dienen soll.

 

Es wurde betont, dass die Selbsteinschätzung an sich einen wichtigen Bestandteil der Weiterbildung beim Sprachenlernen darstellt, da sie dem Interessenten hilft festzustellen, an welcher Stufe er ansetzen muss: ob er Zeit spart, indem er gleich auf Stufe B1, B2, C1 usw. beginnt oder ob er sich noch auf die jeweils nächsthöhere Stufe vorbereiten muss und sich die Enttäuschung etwa einer verpatzten Prüfung ersparen möchte.

 

Zum Abschluss wurde auch ein Fragebogen der Stufe B2 in Esperanto zur persönlichen Verwendung der Teilnehmer (insbes. der Kursleiter) ausgeteilt. Er dient dazu, seinen eigenen Kenntnisstand bezüglich des Esperanto einzuschätzen und ggf. Lücken zu schließen, um als Kursleiter mehr sprachliche Sicherheit zu erreichen.

 

Es wurde auch auf die Veranstaltungen des ICH in Herzberg sowie die Webseiten edukado.net und lernu.net hingewiesen. Gerald Tucker, Fachleiter für das Prüfungswesen beim Deutschen Esperanto-Institut, bot an, Materialien für den Anfangsunterricht beim Institut zu sammeln, zumal dieses für die Stufe A auf nationaler Ebene zuständig ist.

 

Es herrschte Konsens darüber, dass in Zukunft auch die oben angesprochenen zwei Schwerpunkte (Lernen und Gegenkontrolle) in weiteren Workshops bearbeitet werden sollten.

 

 

Stefanie und Gerald Tucker

 

 

Letzte Aktualisierung am : 20.06.2010

 

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