Arbeitskreis Esperanto der vhs Kronach: Rückblick auf das Arbeitsjahr 2007
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Bei ihrer letzten Zusammenkunft in diesem Jahr erinnerten sich die Teilnehmer am Arbeitskreis Esperanto der Kronacher Volkshochschule nochmals an die für sie wichtigen Ereignisse des Jahres: Als fester Arbeitskreis der vhs konnte die Gruppe auf ihr 40-jähriges Bestehen zurückblicken. Aber schon vor 1967 hatten sich Esperanto-Freunde unter Führung des nachmaligen Stadtkämmerers Helmut Goller im Gasthaus „Goldener Hirsch“ zusammengetan. Auch dies war schon eine Wiederaufnahme der Esperanto-Aktivitäten in Kronach, nachdem der ehemalige Regierungsrat Karl Loy nach Ende des Zweiten Weltkrieges Esperanto-Kurse abgehalten hatte, wie ein Vorlesungsverzeichnis der Volkshochschule von 1949 belegt. Wenn es noch Zeitzeugen gäbe, die über das Wirken von Karl Loy von und während der Nazizeit berichten könnten – z.B. über den Helmut Goller berichteten Widerstand gegen die Übernahme des Landratsamtes durch eine SA-Truppe –, würde sich eine für die Gruppe wichtige Überlieferungslücke schließen lassen. Laut mündlichem Bericht aus dem Bamberger Klub soll schon vor dem Ersten Weltkrieg eine Abordnung der Kronacher an einem Festabend der Bamberger teilgenommen haben. Damit würden auch für die Kronacher Esperanto-Freunde die Gruppengründung zeitlich in die Nähe der Vereinigungen rücken, die in diesem und dem nächsten Jahr ihr jeweils 100-jähriges dokumentarisch belegbares Bestehen feiern können. So klein die Kronacher Gruppe im Vergleich zu anderen bayerischen Esperanto-Vereinen auch ist, liegt bei ihr – derzeit mit dem pensionierten Studiendirektor Armin Grötzner – der Vorsitz der Bayerischen Esperanto-Liga. In dieser Eigenschaft war sie auch mitverantwortlich für das diesjährige Frühjahrstreffen der bayerischen, österreichischen und tschechischen Esperantofreunde in Pinswang/Tirol. Kernthema war bei der dortigen Veranstaltung der Rückblick auf den – dann im Blut des Ersten Weltkrieges erstickten Einsatz für den Frieden – durch Bertha von Suttner (Friedensnobelpreis 1905) und Hermann Fried (Friedensnobelpreis 1911), beide Befürworter des Esperanto als neutrale, völkerverbindende Sprache, Fried auch als Begründer des ersten Esperanto-Klubs in Berlin. Heute steht im Vordergrund der Diskussionen der Esperanto-Bewegung die sprachenpolitische Situation insbesondere im sich vereinigenden Europa. So befassten sich die Teilnehmer des vhs-Arbeitskreises in ihrer letzten Sitzung mit dem jüngsten Brief des Diplomaten, Esperantisten und Mitglieds von „Allarme Lingua“, Claude Piron, an den in diesem Jahr neu eingesetzten EU-Kommissar für Vielsprachigkeit, den Rumänen Leonard Orban. Mit Piron und Orban erscheint auch den Kronachern ein möglichst breites Fremdsprachenangebot notwendig; dessen Umfang kann nach Überzeugung der Esperanto-Freunde nur durch eine gemeinsame, für alle gleich zugängliche Brückensprache garantiert werden. Praktisch hat der Arbeitskreis auch in diesem Jahre wieder die eigene Sprachbeherrschung geübt sowie drei kleine Literaturwerke ins Esperanto übersetzt: Heinrich von Kleist „Das Bettelweib von Locarno“, Günter Grass „Langsamer Walzer“ und Ingo Cesaro „Stuttgarter Allee 31“. Für das kommende Volkshochschulsemester würden sich die Teilnehmer am Arbeitskreis ähnlich viele Interessenten wünschen wie ihre Partnergruppe im bretonischen Hennebont, wo sogar zwei Parallelkurse liefen.
Armin Grötzner
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