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Bericht über die Wanderung der Esperanto-Gruppe Forchheim am 28.6.2009 in Möhrendorf

 

Im Zeichen des Wassers – die diesjährige Wanderung der Esperanto-Gruppe Forchheim führte an die Regnitz, genauer gesagt zu den Wasserschöpfrädern in und um Möhrendorf. An der von Evi Geist organisierten Veranstaltung nahmen neben den Esperantisten Forchheims auch interessierte Mitglieder der befreundeten Esperanto-Gruppen aus Bamberg, Erlangen und Nürnberg teil; Andreas Knauer, dessen Ziel es ist, seinen Mitmenschen Natur und Heimat samt den kostbaren Schätzen der Region näher zu bringen, leitete die Veranstaltung.

 

Einst standen an der Regnitz oberhalb Forchheims um die 250 Schöpfräder, heute sind es nur noch 8, und diese werden von der Wasserradgemeinschaft Möhrendorf in ehrenamtlicher Tätigkeit betrieben, gepflegt und in Stand gehalten. Hierzu gehören u.a. Vierzigmannrad, Schmiedsrad, Rinnigrad (gefördert durch Mittel der CSU), Weidackerrad und Wässerwiesenrad – die Relikte einer Zeit, als die Bewässerung der Felder noch ohne Hilfe der modernen Technik erfolgen musste. Über diese Entwicklung sowie auch über andere Hintergründe des Bewässerungsbetriebs und die Schöpfräder selbst wurden die Besucher von Herrn Türschner umfassend informiert. Der Mitarbeiter der Wasserradgemeinschaft berichtete ausführlich über Geschichte und Gegenwart der Schöpfräder, die in der Region seit dem späten 15. Jahrhundert nachweisbar sind, ihren Ursprung jedoch wohl im Orient hatten: Bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg hinein prägten sie das Bild an der Regnitz, bevor Pumpen mit Elektro- oder Dieselmotoren ihre Aufgabe übernahmen und die Schöpfkonstruktionen langsam verdrängten.

 

Fachkundig berichtete Türschner auch über die Konstruktion der Wasserräder selbst. Diese bestehen aus bis zu 600 Einzelteilen, die in jedem Jahr im Mai zusammengesetzt und im September wieder eingelagert werden müssen. Da die Räder fast ausschließlich aus Holzteilen bestehen, liegt es auf der Hand, dass verschiedene Teile regelmäßig ersetzt werden müssen. Wie das in früheren Zeiten materialsparend geschah, erläuterte Türschner anhand der Nägel: Die ursprünglich 48 cm langen sogenannten „Kumpfnägel“ wurden, sofern der Zustand des Holzes es noch erlaubte, nach einem Jahr zu den halb so langen „Schetternägeln“ umfunktioniert, diese wiederum zu den dann noch 12 cm langen Nasenzwickern. Allerdings wird auch in jedem Jahr neues Holz benötigt, und Türschner warf in diesem Zusammenhang einen nicht gerade zuversichtlichen Blick in die Zukunft, in der geeignete Bäume kaum noch zur Verfügung stehen werden.

 

Den Teilnehmern wurde darüber hinaus auch der Blick auf die Regnitz selbst eröffnet, in der man bei genauem Hinsehen noch die Spuren weiterer Schöpfräder sehen kann – nämlich anhand der Strömungsverläufe, die auf die in den Flussgrund verankerten Grundbäume zurückgehen, die man benötigte, um den Wasserrädern genügend Druck geben zu können; durch die flach im Flussbett liegenden Baumstämme entstehen Bewegungen, die die Räder oft erst zum Drehen bringen. – Nach der äußerst interessanten Besichtigung erholte sich die gesamte Gruppe bei einem kühlen Getränk und einem stärkenden Essen.

 

 

Bernd Krause

www.geschichtswissenschaften.com